Fußball macht glücklich

Ja, nicht nur die Deutschen sind fußballverrückt. Auch die Äthiopier. Und das über das ganze Land verteilt. Nur reicht das Geld in Äthiopien gerade mal für ein Trikot im Design der äthiopischen Nationalmannschaft, wenn überhaupt. Gespielt wird barfuß, und den Fußball stellen Kinder, Jugendliche und Sportlehrer aus alter Kleidung, vorzugsweise Socken, selbst her. Der Wunsch nach richtigen Fußbällen ist groß und dementsprechend oft an die africa action herangetragen worden. Die africa action rief daraufhin spontan zu Spenden auf. Mit Erfolg.

Zunächst sammelten die Kölner Krishna Musnadi und Mensur Bacevac Fußballtrikots und Fußballschuhe, die dem Priester Abba Tesfaye bei seinem sommerlichen Deutschlandbesuch feierlich übergeben wurden. Abba Tesfaye nahm die Trikots mit und stattete die Kinder und Jugendlichen von Pinkyo, eins von fünf Dörfern seiner Anuak-Gemeinde, damit aus. Die Fußballschuhe brachte africa action in zwei Koffern nach Äthiopien. Sie sind für die Nuer in Abba Meserets abgelegener Gemeinde gedacht, denn hier war die Bitte erstmalig formuliert worden. In einem Wettkampf soll entschieden werden, welches Dorf die Schuhe erhält.

Eigentlich stand dies auf der Agenda der africa action Projektreise, doch musste das Vorhaben gecancelt werden, weil es in dieser konfliktreichen Gegend wieder mal zu Gewaltausbrüchen zwischen Anuak und Nuer kam und die 120km lange Staubpiste daraufhin vom Militär gesperrt wurde. Sobald er seine Gemeinde wieder besuchen kann, wird Abba Meseret den Wettkampf austragen lassen und africa action Bilder schicken. Krishna Musnadi trieb dann noch eine Serie Second-Hand Fußbälle auf. Leider passten diese beim besten Willen nicht mehr ins Gepäck.

Dann erfuhr Norbert Kessler, in seiner Jugend leidenschaftlicher Torwart, von dem Fußball-Bedarf. Sein Vorschlag, 500 € für Fußbälle zu spenden, traf in seinem Verein AG Kontakt e.V. - Verein für Kinder- und Jugendarbeit - in Steinen, Südschwarzwald, auf fruchtbaren Boden. Von dem Geld konnten in Addis 18 hochwertige, den Hartplätzen standhaltende Fußbälle angeschafft werden. Sechs davon verteilte Abba Tesfaye an Weihnachten, das in Äthiopien am 7. Januar gefeiert wird, an seine Anuak. Nach der Messe, die der Abba diesmal im Dorf Openga zelebrierte, überreichte er je einen Ball dem jeweiligen Jugendvertreter der einzelnen Dörfer. Abba Meseret und Abba Markos, ebenfalls Priester im Vikariat Gambella, dem Wilden Westen Äthiopiens, werden mit ihren Bällen das Gleiche tun. Dann werden auch Nuer, Majang und Awescha von der Ballspende profitieren. Vielleicht kann später ein ethnienübergreifendes Turnier organisiert werden, damit auf diesem Weg zu Frieden und Völkerverständigung beitragen wird.

In dem Dorf Akwaya Jwok wurde der Ball am Folgetag eingeweiht. Nach dem Spiel brachten die Jugendlichen ihn wieder ins Pfarrhaus. Denn die wertvollen Bälle werden zusammen mit der Pumpe im Pfarrhaus oder bei einem speziell dafür verantwortlichen Kirchenmitglied gehütet. Die nächsten Fußbälle, Trikots oder Schuhe sollen nach Südäthiopien gehen. Denn – wie eingangs gesagt - die Fußballleidenschaft übergreift in Äthiopien Region, Kultur und Religion.

Wollen auch Sie der äthiopischen Jugend eine Freude machen?

Bericht von Brigitte Föller, Januar 2016

Fußball zum Zweiten - Januar 2017 Bericht als pdf


Kennwort: ETH 08 Fußbälle für Äthiopien



Fußbälle für Äthiopien
Fußbälle für Äthiopien gesammelt