Herstellung von Kindergartenmaterial im Gefängnis von Gambella/Äthiopien

m Eingangsbereich des Gefängnisses von Gambella gibt es einen Bazar, in welchem die inhaftierten Männer die von ihnen hergestellten Produkte verkaufen. Vor allem verschiedene kunsthandwerkliche Souvenirs, die mit kleinen Perlen besetzt, ver­ziert oder ummantelt sind, können käuflich erworben werden. Es sind die für die Region ty­pischen Produkte, die für Touristen oder Besucher hergestellt werden und häufig als Gastgeschenk dienen.

Wer in Kenia war, wird Ähnliches auf den Touristenmärkten gesehen haben, jedoch für weitaus weniger Geld. Begehrt sind diese Dinge daher nicht unbedingt. Ein noch größeres Problem für den Verkauf ist allerdings, dass es kaum potenzielle Kunden gibt. Die Touristen kann man hier an einer Hand abzählen. Außer­dem: Wie soll ein Tourist von dem Bazar im Gefängnis erfahren? Potenzielle Käufer sind daher in der Regel Besucher der Inhaftierten, die schon genug Belastung zu tragen haben. Ergebnis ist, dass die Männer an den Ständen die möglichen Kunden meist vergebens umwerben.

Der Priester Abba Tesfaye führt die Gäste des Vikariats, die aus Europa kommen, um sich ein Bild von der Region zu verschaffen, regelmäßig zum Gefängnis. Manche folgen seinem Vor­schlag und kaufen für jeden Inhaftierten ein Stück Seife, manche kaufen auch Souvenirs. Detailliert berichtet der Abba dem, der es hören will, von den Zuständen, die er von innen kennt. Denn er selbst war nach einem Verkehrsunfall einen Monat lang in Haft. Seit dieser Erfahrung fühle er sich den Gefangenen und ihrem Schicksal verbunden.

Könnte nicht etwas hergestellt werden, was sich größerer Nachfrage erfreut? Ließe sich da vielleicht ein Projekt draus machen, oder kann gar an geplante oder bereits laufende Projektaktivitäten angeknüpft werden? Africa action fördert im Vikariat Gambella den Bau zweier Kin­dergärten. Von den ins­gesamt 30 katholischen Kindergärten des Vikariats verfügen nur wenige über ein eigenes Gebäude. Den KindergärtnerInnen fehlt es an einer Ausbildung, und die Ausstattung mit Material ist mehr als spärlich. Sie beschränkt sich auf Tafel und Kreide sowie Plakate, von denen die Kinder dem Zei­gestock folgend im Chor das englische und amharische Alphabet ablesen.

Daher hat africa action die Finanzierung eines einmonatigen Trainings von 30 KindergärtnerInnen zugesichert, das, angepasst an die lokalen kulturellen Gegebenheiten, Kreativität fördern sowie den Inklusionsgedanken ver­mitteln soll. Die Ausbilderinnen sind Montessori-geschult, denn im Süden Äthiopiens gibt es ein von Deutschland bezu­schusstes Montessori-Ausbildungszentrum. Eine der beiden Ausbilderinnen be­herrscht zusätzlich die Gebärdensprache. Zum Programm gehört, dass jede der 30 ErzieherInnen einen Satz Basismaterial herstellt. Doch ist weiteres Material notwendig, damit die ErzieherInnen das Gelernte auch anwenden können.

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Warum soll das nicht von den Gefangenen hergestellt werden? Feingeschick haben sie ja mit dem Kunsthandwerk bewiesen. Am Besten entscheiden die Ausbilderinnen zusammen mit den ErzieherInnen, welches Material Priorität haben sollte. Wenn es in einem ersten Versuch Erfolg hat, kann das Projekt fortgesetzt werden. Vielleicht entwickeln dann auch die Inhaftierten mit der Zeit kreative Ideen.

Gut, dass Montessori-Material so bunt und vielfältig ist.

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Herstellung von Kindergartenmaterial im Gefängnis: Infoblatt als pdf (1,39 MB)


Kennwort: ETH 12 Gefängnisprojekt